Karl-Heinz

Karl-Heinz

Durch einen Dummenjungenstreich wurde das Ei, aus dem Karl-Heinz später schlüpfte, mit einem Krähenei ausgetauscht: So versuchte eine frisch geschlüpfte Krähe, mit ihrer vermeintlichen Familie loszuschwimmen - und ertrank.

Karl-Heinz hatte mehr Glück. Er erfuhr in seiner Kindheit eine eher entenuntypische Ernährung -- Fleisch, Ei, Hundefutter und Weißbrot standen auf der Speisekarte, täglich dargeboten von einer netten Frau an seine Zieheltern. Da Krähen Zugvögel sind, glaubte auch Karl-Heinz in seiner Jugend, in den Süden ziehen zu müssen. Da Stockenten keine Zugvögel sind, flog er ohne inneren Kompass los, immer dem Schnabel nach. Dabei schaute er einmal zu oft zur Seite. Daraufhin verbrachte er den ersten Winter am Fuße des Urals. Seine Zieheltern waren darüber erleichtert, denn sie hatten sein dauerndes Gequake schon lange satt. Sie nahmen sich vor, im nächsten Frühjahr mehr auf ihr Nest achtzugeben.

Karl-Heinz entwickelte sich prächtig! Statt Fleisch gab es in Russland Piroggen, und gegen Ende des Winters konnte kein Frost ihm mehr etwas anhaben. Bald war er auf übliche Entennahrung umgestellt. Den Rückweg zum Heimatsee fand er ohne Probleme, und dort landete er mit einem dezenten "`Platsch!"', genau da, von wo er ein halbes Jahr zuvor aufgebrochen war. Inzwischen konnte er sich mit Krähen unterhalten und auf Russisch Quaken (nak nak). Es dauerte dann nur einen Sommer, bis er den gesamten Wortschatz einer norddeutschen Stockente beherrschte.

Eigentlich aber war das Sprachenlernen bei Karl-Heinz eh verlorene Liebesmüh. Er ist, wie fast alle männlichen Enten, eher maulfaul und schnattert meist nur leise vor sich hin, während weibliche Enten grölen, als wären sie im Fußballstadion und feierten gerade den Sieg des 1. FC Quakenbrück.